La Réunion und Mauritius

 

Tagebuchbericht unserer Hochzeitsreise

Jan und ich haben zu gleichen Teilen, immer mal abwechselnd, vor Ort daran geschrieben.

Leider stellt mir mein Homepage-Vertrag nicht genügend Speicherplatz zur Verfügung um die kleinen Bilder zusätzlich mit großen Ansichten verbinden zu können. Vielleicht stocke ich den Speicherplatz noch einmal auf...

 

 

    Unsere Reiseroute auf La Réunion

 

Sonntag, 25.3.2001

Den ersten Tag haben wir - nach ca. 26-stündiger Reise - hundemüde zwischen Wachen und Schlafen verbracht. Sind von St. Denis gleich auf die französisch-réunionesische Autobahn gestürzt und nach La Confiance gefahren, ins Hotel L'Hostellerie de la Confiance. Wir haben noch einige Schritte getan, doch keine Phelsumen gesehen - nur viele hübsche kleine Vögel und zwei leguanartige Echsen [Schönechsen, wie wir mittlerweile wissen - Calotes versicolor]. Dafür gibt es im Hotel einige Geckos, die uns aber trotzdem nicht ganz von Mücken freihalten konnten. Und es hat geregnet, geschüttet, gegossen...

Dafür werden wir heute Morgen mit einem strahlend blauen Himmel, Wärme und Vogelgezwitscher belohnt. Nicht schlecht! Und die Katze will immer was zu Essen.

 

Heute geht es dann weiter in Richtung Anse de Cascades, auf der Suche nach Budzinskis Küstenpopulation von Phelsuma borbonica. Hauptsache, wir können vorher noch so einige Dinge kaufen, vor allem etwas zu Trinken, für die Wanderung morgen früh auf den Vulkan. Aber jetzt gibt es erst mal leckeres Frühstück mit Croissants, Joguhrt, Ei und eisgekühltem Orangensaft.

 

Palmenhain bei Anse de Cascades    Weibchen von Phelsuma borbonica borbonica    Männchen von Phelsuma b. borbonica in Prachtfärbung    Weibchen von Phelsuma borbonica borbonica

 

Zwischen ca. 10.00 und 11.00 Uhr ist es dann so weit: Die ersten Phelsumen sind borbonica borbonica (?), die Küstenpopulation bei Anse de Cascades. Sie sitzen auf den großen Palmen, die sehr moosbewachsen sind, und können leicht übersehen werden. Hauptsächlich Weibchen, auch zwei Jungtiere, auch Männchen, vor allem ein sehr großer, blauer Bock. Der saß einzeln auf einer jungen Palme. Auch auf anderen jungen Palmen haben wir Tiere gesehen, jedoch nur ein Exemplar pro Pflanze. Die Palmen standen in lockerer Formation mit wenigen Schritt Abstand. Ein Jungtier kam zum Sonnen nach unten, wurde von einem Weibchen vertrieben und ist uns direkt vor die Nase geflüchtet. Dort blieb es dann sitzen und vertraute auf seine gute Tarnung. Es hat 67 % relative Luftfeuchtigkeit und 31°C Lufttemperatur im Schatten. Mücken, jetzt langsam bedeckter Himmel - gleich geht der Regen wieder los...

 

Nach einer erfrischenden Fußkühlung (sie tat nach dem Besuch des Lavastroms vom letzten Vulkanausbruch und eines kleinen Marktes mit einheimischen Spezialitäten wirklich not) in der Nähe von Ste. Anne haben wir gegen 16.30 Uhr nach einem beschwerlichen Aufstieg mit dem Auto unser Basishotel "Les Géraniums" in La Plaine de Cafres erreicht. Ulli ist es endlich gelungen eine Telefonverbindung zu ihren Eltern aufzubauen. In Bourg-Murat im Maison du Volcan von Maurice und Katia Krafft haben wir uns mental auf unsere morgige Wanderung zum Piton de la Fournaise vorbereitet. Als kräftestärkendes Abendbrot haben wir einen "Salade éxotique" und ein "bière bourbon" zu uns genommen.

 

Montag, 26.3.2001

Der Piton de la Fournaise, im Vordergrund der Formica Leo5.30 Uhr, der Wecker reißt uns erbarmungslos aus dem Schlaf. Nach einem kurzen Frühstück brechen wir erwartungsvoll zum Piton de la Fournaise auf. Nach ungefähr 45 Minuten Fahrtzeit durch eine zum Teil mondähnliche Krater- und Vulkanlandschaft erreichen wir den Kraterrand des Piton. Dort werden wir dann von einem recht freundlichen Ranger auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Er teilt uns mit, dass es zur Zeit verboten sei auf den Vulkan zu steigen, da eine erhöhte Aktivität registriert wurde und man in den nächsten Tagen (?), Stunden (?) mit einer größeren Eruption rechne müsste. Uns blieb also nichts anderes übrig, als vom Kraterrand einige Fotos der echt beeindruckenden Landschaft zu machen und wieder umzukehren. Auf der Rückfahrt hielten wir kurz in der Plaine des Sables (einer wüstenähnlichen Hochebene) und dann am erloschenen Krater "Cratère Commerson", einem wirklich beeindruckenden Kraterloch!! Weiter unten konnten wir dann einen Blick vom Nez de Boeuf ("Rindernase") ins Rivière des Remparts werfen, einem wunderschönen grünen Canyon, dem man sehr weit mit seinen Blicken folgen kann.

 

Eine irre BrandungDann ging es ab in Richtung Küste - in den Sud Sauvage, den wilden Süden! Erste Station musste natürlich Manapany-les-Bains sein - und nach einigem Suchen und Bestaunen der wahrlich beeindruckenden Brandung war es dann so weit: Einmal im Leben muss doch jeder Mensch einmal Phelsuma inexpectata in natura gesehen haben - war das nicht so? Es war zuerst ein Jungtier in einem Garten. Dann sind wir zu einer Badestelle (eigentlich eine kleine Lagune) gekommen - und gleich oberhalb von ihr lag das mittlerweile geschlossene Restaurant "Le Manapany". Und wie erwartet haben wir oben an der Straße in diesen Garten blicken können und quasi eine ganze Population beobachten können. Allerdings nur adulte Tiere. Die relative Luftfeuchtigkeit lag bei 70 - 75 %, die Lufttemperatur bei ca. 30 - 32°C. Alle beobachteten Tiere saßen auf einer kleinen Baumgruppe von Palmen und sonnten sich (gegen 11.00 bis 11.30 Uhr) bzw. jagten sich auch manchmal. Die Tiere hatten wenig Blaufärbung, mehr Grün, aber viele kleine, intensive rote Rückenflecken sowie eine kontrastreiche Kopfzeichnung.

 

Danach ging es noch weiter nach Basse Vallée, wo wir auf Phelsuma borbonica (agalegae) mater gehofft hatten, doch Fehlanzeige. Das werden wir morgen noch mal versuchen, denn schließlich handelt es sich dort um die Terra Typica. Nun sind wir in einem traumhaften Hotel namens Le Baril. Das Zimmer ist zwar weniger überzeugend, und anfangs machte auch der Chef einen etwas unterkühlten Eindruck. Doch die Lage des Hotels direkt über der Brandung des Indischen Ozeans und die Anlage mit Vegetation und Swimming Pool ist einfach göttlich. Und auch der Besitzer entpuppte sich als sehr gesprächig, indem er alle neun Hotelgäste zu einem Rumpunsch einlud und mit allen ein Gespräch über La Réunion begann. Sehr interessant, wenn sich jemand für die armen Touristen einsetzt ;-) Außerdem ist die Welt doch so klein - er spricht gut Deutsch, weil er vier Jahre in Frankfurt war und seine Tochter ein Jahr in Hildesheim wohnte und jetzt in Hamburg lebt.

 

Dienstag, 27.3.2001 (?)

Man verliert ein wenig das Zeitgefühl...

Den heutigen Tag haben wir zur Abwechslung mal etwas ruhiger angehen lassen und drei Sehenswürdigkeiten gestrichen, die eigentlich auf dem Programm standen. Stattdessen sind wir noch mal ans Cap Méchant (das "bösartige, hinterhältige Cap"), nach Basse Vallée gefahren um borbonica mater zu finden, doch leider ohne Erfolg. Außer ein paar schönen Landschaftsaufnahmen haben wir dort nichts gefunden [Heute wissen wir, dass die Terra Typica schon weit im Landesinneren liegt - man muss erst eine Straße landeinwärts fahren].

 

    

 

Männchen von Phelsuma inexpectataSchlüpfling von Phelsuma inexpectataDanach sind wir ein zweites Mal an den vermutlich schönsten Ort der Insel gefahren: nach Manapany-les-Bains. Diesmal haben wir uns viel Zeit gelassen, waren auch schon vor zehn Uhr dort und sind etwa drei Stunden geblieben. Und diesmal sind wir einfach ganz frech in den Restaurantgarten eingedrungen, in dem auch schon andere Sonnen- und Meereshungrige saßen. So konnten wir uns in Ruhe umsehen - und das hat sich gelohnt! Wenn wir auch nirgendwo Eier entdecken konnten, haben wir aber doch schätzungsweise rund 40 Exemplare der Art Phelsuma inexpectata entdeckt - alle in dem Garten, vor allem an den dicken Stämmen der großen Palmen, doch auch an den im Wind wackelnden Palmblättern, auch an jungen Pflanzen (vor allem ein Weibchen und zwei Jungtiere dieser Saison) sowie an der Hauswand des Hotels (drei adulte Tiere). Die Jungtiere hielten sich offensichtlich bevorzugt an dünnen Blättern oder oben in den Palmen an den noch frischen, grünen, glatten Stämmen auf. Doch selbst einige Adulti haben wir auf den dünnen, wackelnden Blättern turnen sehen, immer im Wechsel zwischen Sonne und Schatten. Unser Eindruck war, dass, je mehr es gegen Mittag ging, umso mehr Phelsumen zu sehen waren. Das mag aber auch an uns gelegen haben, weil man eben erst mit der Zeit herausbekommt, wo sie sitzen und wie man gucken muss. Leider haben wir heute das Thermo- und Hygrometer nicht herausgeholt, so dass wir auch nicht die Temperatur im vollen Sonnenlicht gemessen haben. Die anderen gemessenen Temperaturen waren natürlich im Schatten. Zwar haben wir kein einziges Chamäleon gesehen (die heißen hier übrigens "endormi", die Eingeschlafenen, weil sie sich so langsam bewegen), dafür einige Exemplare einer kleinen, leguanartigen Spezies, die wir so nicht bestimmen können, Gesamtlänge ca. > 25 cm, KRL ca. 10 - 12 cm. Ein Exemplar lebte auf dem selben Baum wie eine Phelsume - Ignoranz (!) oder Gefahr??

[Auch hier handelte es sich um Calotes versicolor]

 

Alles in allem war es jedenfalls ein sehr relaxter und doch sehr aufregender Vormittag, den wir genossen haben! Wie im Garten Eden...

Warum eigentlich eröffnen wir das Restaurant nicht neu?

 

Weiter - nein, vorher ging es dann nach St. Joseph, wo wir endlich eine Bank gefunden haben. Schlimm genug, dass wir der netten Bedienung heute Morgen kein Trinkgeld geben konnten; das sollte möglichst nicht noch mal passieren... Der Bankbeamte war jedenfalls sehr nett und zuvorkommend und hat in Absprache mit seinen zwei Kolleginnen unser altes französisches Geld von Nicole quasi einfach privat eingetauscht - naja, oder so halb? Es gibt eben noch nette Leute, die einem das Leben versüßen. 

 

Später sind wir nach St. Pierre gefahren um das Minarett zu fotografieren, naja, so toll ist das Bild nicht... Aber wir haben ein Baguette "au Thon et Mais" [mit Thunfisch und Mais] gegessen und das von Veronika empfohlene Bouchon gratiné, ein warmes Baguette mit Fleisch-Teigtaschen und mit Käse überbacken - lecker! Danach sind wir die absolute Chaosstrecke nach Cilaos hochgegurkt. Zuerst hinter einem LKW, der vor den kritischen Kurven laut gehupt hat um Entgegenkommer zu warnen, und das mit Recht. Jan hat das wohl abgeguckt, aber nur ein einziges Mal angewendet: intuitiv in dem Moment, als tatsächlich ein Auto entgegen kam - und der Zusammenstoß so um Haaresbreite vermieden werden konnte. Da machste was mit... 

 

Jetzt sind wir im Hotel in Cilaos, und das ist wirklich wunderschön. Das erste Mal sind wir mit dem Zimmer zufrieden und finden die Außenanlagen toll! Vorhin waren wir kurz im Maison du Montagne ["Berghaus" = Touristik-Wander-Zentrum] um uns Bergwanderkarten zu organisieren. Wir haben ja echt eine Macke: Stehen im Urlaub genauso früh auf wie sonst (wenn nicht noch früher) um irgendwelche Wanderungen zu machen oder generell das gute Vormittagswetter auszunutzen. Na, jedenfalls waren wir dann noch kurz "im Ort" um ein T-Shirt für mich zu kaufen, denn was hier wirklich schrecklich ist, sind Hitze und Luftfeuchtigkeit in Kombination - ich hatte kaum noch saubere, nicht stinkende T-Shirts. Wir haben einen Touri-Laden mit einer sehr netten Verkäuferin gefunden, der T-Shirts  mit unterschiedlichen Gecko-Motiven anbot. Und schon hatten wir ein Souvenir für Hartmut...

 

Mittwoch, 28.3.2001

Blick vom Col du Taibit in den Cirque de Cilaos"Geisterlandschaft"Urlaub? Wer redet eigentlich immer davon, dass wir im Urlaub sind? Wir stehen hier mindestens genauso früh auf wie zu Hause. Heute war es um 6.30 Uhr der Fall. Nach einem kurzen, aber dafür nicht kleiner ausfallenden Frühstück sind wir zum Col du Taibit, einem Pass zwischen dem Cirque de Cilaos und dem Cirque de Mafate aufgebrochen. Nach einer kurzen Autofahrt erreichten wir den Einstieg, von dem es über 800 m Höhendifferenz zum Col zu überbrücken galt. Leider war es kein sehr schöner Wanderweg (vom Untergrund) mit vielen hohen Stufen. Für die wirklich schöne und abwechslungsreiche Vegetation hatten wir nur wenig Augen übrig. Nach ca. zweieinhalb Stunden erreichten wir völlig fertig den Col du Taibit gegen 10.30 Uhr. Leider wohl ungefähr eine halbe Stunde zu spät, da das Wetter immer schlechter wurde. Nach einer längeren Pause machten wir uns an den Abstieg. Jetzt ließen wir es langsamer angehen und hatten endlich Augen für die sehr schöne und wechselnde Vegetation. Gegen 14.00 Uhr erreicht wir völlig ausgepowert unser Auto und verbrachten den Rest des Nachmittags am Pool. Nach einer kurzen abendlichen Ortsbesichtigung und einem sehr leckeren Menü geht es jetzt todmüde ins Bett. 

 

Donnerstag, 29.3.2001

Männchen von Furcifer pardalisWeibchen von Furcifer pardalisHeute haben wir gar nicht so viel gemacht. Nach einem schönen Frühstück sind wir den ganzen Weg von Cilaos wieder an die Küste runtergegurkt. Danach haben wir uns nach St. Louis ein klein wenig verfahren und sind durch Zufall auf eine kleine aber feine Krokodilfarm gestoßen, die wir natürlich gleich besuchen mussten. Es gab aber noch mehr zu sehen außer Nilkrokodilen: Hasen, Meerschweinchen, Schlaghosenhühner, Gänse, Wellensittiche, Libellen, Wachteln, kleine Leguane und Chamäleons, endlich: Furcifer pardalis. Einer der Parkarbeiter hat es wohl extra für uns aus einem Baum gepflückt und in einem Busch drapiert und ist dann zu uns gekommen und hat uns gefragt, ob wir nicht gerne mal ein endormi sehen wollten - klar wollten wir! Mittlerweile waren auch unsere "ständigen" Reisebegleiter, Silke und Jörg aus Hannover, aufgetaucht, mit denen wir dann viele, viele Bilder von dem armen Tier gemacht haben. Dann haben wir noch ein zweites Männchen gefunden, und schließlich hat der Wärter noch ein Weibchen und noch ein Männchen herbeigetragen.

 

Danach sind wir die Küste entlang gefahren, haben den - heißen! - schwarzen Lavasandstrand angeschaut, es dort aber nicht lange ausgehalten. Doch richtig toll war es bei Les-Salines-les-Bains, wo es eine geschützte flache Lagune gab. Wir haben die Hosenbeine hochgekrempelt und gefilmt: Krabben, Fische, Anemonen und sogar eine Wasserschlange [okay, es war eine kleine Muräne...]! Das war schon ziemlich spannend. 

 

Nahaufnahme eines Furcifer pardalis-MännchensEine Zwischenstation haben wir noch im Paradies gemacht: im Jardin d'Eden, einem hübschen Botanischen Garten, wo es auch wieder ein Pärchen Chamäleons gab. Bis dahin war also der Tag sehr angenehm und erfolgreich, doch dann fing die Suche zuerst nach einem Geldautomaten und Fotogeschäft und dann nach dem Hotel an. Wie wir durch Regengüsse und später über unbefestigte, aufgeweichte Matschstraßen gefahren - besser geschlittert - sind, hat Jan auf Video aufgenommen. Da kommt man sich fast vor wie in Afrika... Doch das Hotel oben am Berg ist hübsch, jedes Zimmer ist ein kleines "Chalêt", also eine Doppelhüttenhälfte, mit schönem Ausblick den Berg hinunter. Wenn es man bei unserer Ankunft nicht schon fast dunkel gewesen wäre... Jetzt müssen wir morgen früh wieder mal "zeitig" aufbrechen und eine Frühstücks-Extrawurst bekommen. Und dann geht's nach St. Denis bzw. zum Flughafen und ab nach Mauritius. 

 

 

     Unsere Reiseroute auf Mauritius

 

Freitag, 30.3.2001

So ein Quatsch, uns für die letzte Nacht in dem wohl höchst gelegenen Hotel von La Réunion einzuquartieren. Also hieß es sich für morgens das Frühstück mal wieder früher servieren zu lassen, da wir unser Auto um 9.00 Uhr am Flughafen abgeben mussten. Uns stand eine ungefähr 45-minütige Abfahrt zur N1 bevor, die es wirklich in sich hatte, was den Verkehr und die Straße anging. Danach ging es dann also sehr schnell und wir konnten unseren Wagen so dreckig, wie er war, ohne Probleme abgeben. Damit waren wir dann so früh am Flughafen, dass wir noch einen Flug früher nach Mauritius bekommen haben. Leider war der Fahrer, der uns zum Hotel bringen sollte, gerade unterwegs, so dass wir dadurch keinen Zeitvorteil hatten. Nach gut einer Stunde Fahrt erreichten wir unser Hotel an der Südwestspitze Mauritius', das einen unbeschreiblichen Eindruck macht. Wir brauchten uns um nichts mehr zu kümmern (Gepäck) und bekamen das Hotel erklärt und gezeigt - es scheint wirklich ein Traum zu sein. Unser Zimmer ist sehr geräumig mit einem riesigen Badezimmer und es wird hier fast alles für einen erledigt. Nur Geckos haben wir noch keine gefunden - sollte es hier keine geben???

 

Montag, 2.4.2001

StrandliegeNun ist aus dem Tagebuch doch eher ein "Zwei-Tage-Buch" geworden, aber was soll's? Schließlich sind wir im Urlaub und brauchen uns nicht zu stressen. Das Hotel ist wirklich toll und über Langeweile braucht man sich so schnell auch keine Sorgen zu machen. Allerdings haben wir erst sehr wenige Einrichtungen genutzt, da wir erst mal rumliegen und uns erholen. Also cremen wir uns schön ein, schnappen uns ein Buch, ein Hotel-Badetuch und eine Liege und entspannen. Wenn wir entspannt genug sind, widmen wir uns den Fischen. Samstag sind wir mit einem Boot mit Glasboden zu einem kleinen Korallenriff ganz in der Nähe gefahren und haben Fische, Seeigel, Seegurken und eine Muräne beobachtet. Nach einer in der Hitze recht anstrengenden Fahrradtour sind wir dann gestern schön schnorcheln gegangen, ebenso wie heute. Wir haben heute im abgesperrten Badebereich auch endlich den kleinen Korallenfelsen entdeckt und so allerlei Tolles gesehen: Das Beste war dabei sicherlich der kleine Rotfeuerfisch! Aber auch andere, viele bunte Fische, vor allem in Schwarz, Weiß und Gelb, flach oder hochrückig, lang oder kurz, gestreift oder geringelt, es war für jeden Geschmack etwas dabei. Auch kleine Krebse, viele Seegurken, eine Seenadel (?) sowie einige "Hornhechte", wie wir sie getauft haben, und die uns ständig verfolgt haben, waren dabei [in unserem extra gekauften Buch über Korallenriff-Fische steht, dass es sich wohl um "Tropical halfbeak", Typorhamphus affinis, handelt]. Einige blau schimmernde Fische sind sogar etwa 50 cm lang. 

 

Leider gibt es hier im Park bzw. im Hotel nicht einen Taggecko. Was daran liegen könnte, dass die Anlage noch relativ neu ist und zudem zwischen lauter Nadelbaumbestände gebettet liegt - hier dürfte also kein natürliches Vorkommen sein. Was es allerdings zuhauf gibt, sind Nachtgeckos, vermutlich die Gattung Hemidactylus, nach unserer Postkarte die Art brookii - aber wer weiß das schon so genau? Von denen ist mir heute Abend ein übereifriges Exemplar von der wirklich hohen (!) Speisesaaldecke direkt auf den Kopf gefallen... Von dort ist er dann leicht irritiert auf meine Speisekarte gesprungen. Hoffentlich ist das Foto gelungen, das Jan gemacht hat. Und Silke und Jörg, mit denen wir gegessen haben, haben auch leicht irritiert geguckt. 

 

Mittwoch, 4.4.2001

Gestern war dann mal kurzfristig ein wenig Action angesagt: Ulli hat sich mit den Wasserskiern (ski nautique) versucht und Jan hat's gefilmt... Allerdings erst mal nur an der Bootsstange und das hat vorerst auch gereicht. Hätte nicht gedacht, dass das derart auf die Hände geht, ich konnte mich kaum festhalten. Der zweite Höhepunkt des Tages war dann, dass wir eine Hochzeit miterleben durften. War hübsch und liebevoll gemacht - aber kam an unsere natürlich nicht heran ;-) So, und jetzt (7.05 Uhr) geht's gleich zu den Krokodilen und hoffentlich auch zu ein paar Geckos. 

 

Freitag, 6.4.2001

Hmmm... also diese Tour am Mittwoch war schon etwas merkwürdig. Die im Programm angekündigten Teeplantagen haben wir nur durch die Busfenster gesehen. Unsere erste richtige Station war also eine private Villa mit Ländereien an der steilen und wunderschönen Südküste. Haus, Gärten und Teiche waren hübsch anzusehen und wir haben sogar einen (!) Gecko in zehn Metern Höhe gesehen. Danach ging es dann gleich - zack, zack! - zur nächsten Haltestelle, der von uns schon sehnsüchtig erwarteten Krokodilfarm. Hier, in dieser relativ natürlich Phelsuma madagascariensis grandis - fast endemisch! bewachsenen Dschungelschlucht sollte man doch nun endlich mal ein paar Taggeckos zu Gesicht bekommen - oder nicht? Doch, wir hatten Glück und wurden mit einigen auf Madagaskar heimischen Phelsuma mad. grandis hinter Glas belohnt. Die seien hier in Gefangenschaft geboren, betonte unser Tourführer, und damit gewissermaßen endemisch... Nun ja, alles in allem war der Park nicht schlecht, und der Besitzer kann ja auch nichts dafür, wenn er nur importierte Tierarten zeigen kann, weil es auf Mauritius fast keine endemischen mehr gibt. Was aber wirklich nervig war, war der Reiseleiter mit seinen auswendig gelernten, im Singsang vorgetragenen Halbinformationen. Nachdem wir ihn schon ganz offensichtlich nach endemischen Tieren, im Besonderen Geckos, angesprochen hatten, ist er trotzdem schnurstracks an den Terrarien mit Phelsumen vorbei gerannt (als interessante Kombination: 1 x standingi, 1 x cepediana, 1 x serraticauda und ca. 3 x grandis), in denen wir einige grandis und immerhin das serraticauda-Männchen ausmachen konnten. Und schwups! waren wir alle durch die Absperrung nach draußen bugsiert worden ohne ein Drittel (?) des Parks überhaupt gesehen zu haben. 

Daher haben wir uns, als wir in der Villa Andrea (ziemlich unscheinbar) zum Mittagessen ankamen, sofort mit unserem Phoenixbier in der Hand aus dem Staub gemacht und den nahen Palmenhain inspiziert. Und siehe da - cepediana, wohin man blicken konnte! Allerdings wieder nur in zehn Metern Höhe auf den Palmwedeln. Vielleicht wird trotzdem aus dem einen oder anderen Tele-Dia etwas. 

 

Die letzte Station war dann eine Anthurium-Plantage, die uns nicht so viel gebracht hat. Alles in allem waren die Gespräche mit der Dame ("Frau Fricke, wir warten für Sieeee!") aus Braunschweig-Schapen und dem dunkelhäutigen Pärchen aus London und jetzt Singapur vielleicht das Interessanteste an dem Trip. Dafür haben wir uns gestern wirklich ausgelaugt gefühlt. Es war sowieso ein Schlechtwettertag und Jan und ich haben uns nach dem Frühstück wieder aufs Bett gelegt um zu lesen, sind aber beide gepflegt wieder eingenickt. Um 13.00 Uhr gab es dann noch eine kurze aber sehr interessante Hotelküchenführung durch den Küchenchef, das war nicht schlecht. Nachmittags haben wir auf der Terrasse wieder schön gelesen und die Seele baumeln lassen, haben abends sehr nett mit Silke und Jörg gespeist (die sich am vorigen Tag verlobt hatten - den Abend haben wir übrigens noch mit Séga-Klängen und Tanzmusik beschlossen). Wir haben sehr lange, ausgiebig und geruhsam gegessen, uns angeregt unterhalten und sind hinterher zum Abschluss von beiden noch auf ein Glas Wein auf ihre Terrasse eingeladen worden - und haben ihnen natürlich dort noch von Geckos vorschwärmen müssen...

 

KofferfischAußerdem haben wir uns gestern für teures Geld (!) eine Einweg-Fotokamera gekauft, mit der man Unterwasseraufnahmen machen kann. Eben beim Schnorcheln haben wir schon die Hälfte vollgeknipst, war ja klar - jedenfalls bin ich mal seeehr auf die Ergebnisse gespannt! Unter anderem hatte nämlich Jan eine kleine Muräne entdeckt, die ungerührt über den ganzen Boden kreuzte und ihn nach Futter absuchte!

 

Eigentlich war für heute Nachmittag eine gemeinsame Tour mit Silke und Jörg nach Chamarel geplant, wo wir die siebenfarbige Erde ansehen und natürlich Geckos sichten wollen, aber im Moment ist noch nicht ganz klar, ob das Wetter mitspielt.  

 

Samstag, 7.4.01

Nach einem Rum-Longdrink am Freitagabend haben wir den Wecker mal nicht gestellt und bis 9.15 Uhr geschlafen. Das "schlechte" Wetter war vorbei und die Sonne brannte wieder - so frühstückten wir schnell und dann ging es an den Strand. Dort haben wir uns in der Sonne geaalt, ein bisschen gelesen oder geschlafen. Um ca. 13.30 Uhr kam dann eine Händlerin mit Tüchern, Röcken etc. an den "Nachbarliegen" vorbei und Ulli hat die Gunst der Stunde genutzt und mal geschaut. Um 14.30 Uhr hat Ulli dann einen langen und drei kurze Röcke für 700 Phelsuma cepediana bei den Terres des Couleurs Rupien gekauft, die eigentlich 1050 Rp kosten sollten (gar nicht schlecht gehandelt!). Zwischendurch kaufte sie von einem weiteren Händler ein Tuch für 150 Rp anstatt 250 Rp. Um 15.00 Uhr sind wir dann mit Silke und Jörg nach Chamarel gefahren und haben uns dort die Wasserfälle und die "Terres des Couleurs" [Farbige Erden] angeschaut. Selbstverständlich wollten Ulli und ich Geckos suchen und haben dann glücklicherweise (der Urlaub ist etwas mehr gerettet) einige P. cepediana und P. ornata gefunden. Sie saßen zusammen auf großen Palmen, so dass uns wieder nur das Tele blieb. Die Mücken waren hier in Chamarel allerdings eine echte Plage, so dass wir es doch früher, als uns lieb war, vorzogen das Weite zu suchen.

 

Montag, 9.4.01

Keine besonderen Vorkommnisse...

Wenn jemand Jan vor zwei Jahren gesagt hätte, dass man ihn mal von seinem Buch kaum wegbekommen würde, hätte er denjenigen ausgelacht. Aber "Otherland" (jetzt Teil II) hat es ihm wirklich angetan. Dafür lese ich gerade mein Weihnachtsgeschenk von Kerstin, "Die fünfte Frau", das mir ebenfalls sehr gut gefällt. Heute Abend gibt es wieder eine Cocktailbegrüßung der Hoteldirektion und danach ein Gala Diner. Und heute früh haben wir uns ausnahmsweise das Frühstück mal zum Zimmer bringen lassen - auch nicht schlecht!

 

Mittwoch, 11.4.01

Jan ist langsam zu fett, ich kann ihn über seinen Bauch hinweg kaum noch angucken! Nein, stimmt gar nicht - er hat gesagt, ich soll das schreiben. Gestern haben wir unsere zweite Tour mit MauriTours gemacht, und zwar nach Port Louis (sowohl das T als auch das S werden mitgesprochen, wie uns Naïm, unser Reiseleiter, erklärte) und in den Botanischen Garten von Pamplemousses. Wir haben allerhand über Mauritius und seine Einwohner gelernt und kamen auch sonst mit Naïm um einiges besser klar als mit Noël auf der Tour vorher. In Port Louis 1,0 Phelsuma cepediana im Botanischen Garten von Pamplemousses haben wir dann noch vier Engländer getroffen und den Rest der Fahrt gemeinsam erlebt. Sie waren sehr nett und das gemeinsame Mittagessen beim Chinesen ergab eine interessante Konversation. Wir haben einen chinesischen Buddha-Tempel und einen tamillischen Hindu-Tempel besichtigt und durften eine weile in der Stadt shoppen (und Souvenirs kaufen). Der Botanische Garten war nach der Stadt wieder ganz erholsam, selbst wenn es nach europäischen Maßstäben noch keine Großstadt ist. Aber Autos und Händler gab es natürlich trotzdem reichlich. Im Garten faszinierten die exotischen Pflanzen, die man zum Teil nur von gemahlenen Gewürzen aus der Dose kennt. Es war schon interessant mal zu sehen, wie Muskatnuss, Gewürznelken und Zimt in lebendiger Form aussehen! Außerdem gab es wieder einige P. cepediana (bei etwa 30,5°C und ca. 66 % rel. L.), die allerdings wieder nur mit Tele zu betrachten waren. Schade - aber schön!

 

Und dann kam der Mittwoch - was für ein Tag!!! Als wir aus dem Fenster blickten, war es nur am schütten. Also machten wir uns auf den Weg zu einem ausgiebigen Frühstück, nach dem wir uns mit Silke und Jörg zum Shoppen verabredet haben. Wir gingen zu Fuß zu den ca. 2 km entfernten kleinen Läden und kauften in ca. zwei Stunden einen (Winter-)Pullover (sehr schön!) für Ulli und zwei Polo-Shirts für mich. Als wir wieder ankamen, legten wir uns an den Strand, wurden allerdings nach zwei Stunden vom Wetter vertrieben. Um 16.00 Uhr halten uns Silke und Jörg zum Segeln ab. Kleine Ein-Mann-Boote - also: Ulli segelt, sie kann das ja, und Jan als Galionsfigur auf dem Bug - und dann los! Der Anfang lief echt toll, Ulli nahm viel Fahrt auf und Jan wurde geflutet (Bug unter Wasser!). Doch irgendwann drehte der Wind immer mehr (parallel zum Strand) und wurde immer böiger, so dass Ulli das Boot insgesamt dreimal samt Jan kenterte. Ich musste das Schiffchen dann immer wieder aufrichten. Nach dem dritten Mal sind wir dann an Land gesegelt und haben das Boot halb zurück gezogen, bis sich einer der Animateure erbarmte, einstieg und es locker nach Hause segelte. Auf diesen Schreck mussten wir erst mal die letzten Souvenirs einkaufen - eh sich das mit dem Boot rumspricht. Es gibt Rum, Café, Tee und Marmelade. Nach dem Shoppen gab es dann eine Flasche Rum mit Silke und Jörg als Cocktails, ehe wir essen gegangen sind. Kurz vor der Séga-Show (Ulli machte eine hervorragende Figur) noch mal schnell auf's Zimmer, gab es dann den nächsten Schock: Auf der Badewanne turnte ein mindestens 5 cm großer Skorpion - keine Ahnung, wo der herkam. Aber das Bettenmachteam hat ihn souverän entfernt. Dann gab es zum Ausklang des Abends noch eine Stunde Séga-Show. Was für ein Tag!

 

Ulli und Jan trinken Rum

 

- Ende -